Weltreise Teil 1

03Feb2019

Und manchmal kommt alles doch ganz anders als geplant. Eigentlich sollte ich ja schon längst wieder Zuhause sein, stattdessen bin ich immernoch auf der Queen Mary 2 kurz vor Indien.

 

Auch wenn es schon etwas her ist, möchte ich an dieser Stelle noch von meinem ersten Weihnachten und Silvester an Bord und getrennt von meiner Familie berichten. Weihnachten war sehr schön, aber auch anstrengend. Wir waren in der Karibik, was ich super fand, aber die Gäste hatten sehr hohe Ansprüche and diese Reise, schließlich ging es um die Feiertage. Was mir bis dahin nicht so richtig klar war, in Deutschland feiern wir ja meist Heiligabend, also den 24. Dezember groß mit der Familie und Geschenken. Bei den Briten und Amerikanern ist das auf jeden Fall nicht so. Dort ist der 25. Dezember der entscheidende wichtige Tag. Das war aber praktisch für mich und meine Kollegin Sophie, den wir hatten 100 deutschsprachige Gäste an Bord und hatten alle zu einem Weihnachtsempfang am 24. Dezember eingeladen. So kollidierte nichts mit anderen Feierlichkeiten. Es gab Glühwein und kleine Häppchen und sogar Dessert. Bei den Desserts haben sich die Konditoren richtig Mühe gegeben. Es gab kleine Stollenhappen, Apfelkuchen, etwas, das nah an Lebkuchen heran kam und Donauwelle. Auch wenn Donauwelle eher weniger Weihnachtlich ist, war immerhin alles sehr deutsch. Weihnachtslieder haben wir auch gesungen, bühnenreif war das allerdings nicht.

 

Spät er am Abend hat sich mein ganzes Team bei Ed, meinem Manager in der Kabine getroffen. Wir hatten auch Glühwein und Sophie und ich haben ein paar der übrig gebliebenen Desserts mitgebracht. Dann haben wir alle gewichtelt. Das war wirklich nett und alle haben sich sehr über ihre Geschenke gefreut. Ich hatte den Tanzlehrer eine Krawatte geschenkt mit winterlichen Motiven und er mochte sie so sehr, dass er sie noch Wochen nach Weihnachten getragen hat. Ich habe ein Geschenk von Zoe bekommen. Sie ist definitive eine meiner engsten Freundinnen hier an Bord und wir haben irgendwann aus Spaß allen angefangen zu erzählen, dass wir zusammen auf Dates gehen und irgendwann hat sie allen erzählt, dass wir bald heiraten würden. Dementsprechend war ihr Geschenk an mich ein Ring und wir sind jetzte “verlobt”.

 

Am 25. Dezember gab es dann abends ein großes Gala Weihnachtsessen und morgens gab es Bescherung im Queens Room für die Kinder mit einem echten Weihnachtsmann. Der 26. Dezember war dann der erste Hafentag der Reise.

 

Silvester war dann noch arbeitsintensiver. Es gab drei verschiedene Parties und wir waren quasi dazu da, um die Stimmung zu halten und die Leute zum Tanzen zu animieren, was echt nicht so leicht war, den ich tanze eher selten im langen Abendkleid zu Partymusik. Dementsprechend habe ich auch nicht wirklich selber gefeiert, sondern gearbeitet. Ich war aber schon vom Tag und den Vorbereitungen so kaputt, dass ich am liebsten einfach nur im Bett gelegen hätte und einen Film geschaut hätte statt zu feiern. Um Mitternacht gab es dann statt Feuerwerk auf allen Parties einen Ballondrop, das heißt, dass ganz viele Ballons in einem Netz aufgehängt werden und dann schneidet man halt die Nähte auf, damit das Netz aufgeht und die Luftballons runterfallen. Dafür hatten wir am Tag davor bis nachts um 1 Ballons aufgeblasen.

 

Am 3. Januar ging dann für mich die eigentlich vorletzte Transatlantikreise los auf dem Weg nach Hause. Ich hatte mir leider an dem Tag das rechte Knie entzündet und hatte dann die nächsten Tage Schmerzen, die ich versucht habe mit Kühlen und Wärme zu bekämpfen, was auch nicht so einfach ist, wenn man immer arbeiten muss. Das Packen habe ich ziemlich vor mir hergeschoben, auch weil es mir schwer fiel mich mit dem Knie ständig auf den Boden zu setzen. Letztendlich war das dann ja sogar besser so, denn sonst hätte ich mehr wieder auspacken müssen, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht. Am 10. Januar sollte ich absteigen und am 8. Januar abends passierte es dann. Ich war mit ein paar anderen Leuten bei einem der Security Offiziere, weil er auch am 10. Januar absteigen sollte und deshalb eine kleine Party gegeben hat. Irgendwann kam dann unsere Entertainment Direktorin rein, die meine Vorgesetzte ist, und sagte, dass Sie eine Nachricht für mich hätte. Das klang erstmal nicht so gut und sie sagte es läge an mir ob es gut ist oder nicht. Dann fragte sie mich, ob ich meinen Vertrag immernoch verlängern wollen würde und wenn ja wie lange. Ich war erst einmal irritiert und fragte, was los sei. Zu diesem Zeitpunkt waren wir zwei Hostessen an Bord und sollten beide am 10. Januar abgelöst werden. Eine hatte dann aber an dem Abend gekündigt, was sehr Schade war, aber letztendlich zu meinem Glück. Ich habe nicht lange überlegt und direkt gesagt, dass ich die ganze Weltreise an Bord bleiben würde. Das ist also bis zum 14. April und dann war ich fast 7 Monate an Bord. Das ist schon wirklich sehr lange und sicherlich werde ich mich auch irgendwann wegen dieser Entscheidung hassen, aber vorerst überwiegt die Freude über die Häfen und Länder, die ich sehen werde.

 

Am nächsten Morgen im Büro kam dann die nächste Überraschung, denn die zweite Hostess hatte am Tag zuvor quasi zur Gleichen Zeit gekündigt. Ich wusste ja schon, dass ich nun bis zum 14. April dort bleiben würde, aber Sophie wollten sie nur bis zum 29. Januar dort behalten und dann stattdessen eine Hostess mit mir an Bord haben, die schon länger für Cunard arbeitet. Das wollte Sophie allerdings nicht so gerne und ist deswegen am 10. Januar in Southampton ausgestiegen.

 

Für mich war das natürlich alles sehr plötzlich, denn anstatt nach Hause zu fliegen musste ich erstmal einkaufen gehen, denn so ziemlich alle meine Drogerieprodukte waren leer oder ich hatte den Rest schon weggeschmissen, weil ich dachte, dass ich es ja eh nicht mehr brauche. 270 Gäste sind dann in Southampton aufgestiegen, darunter eine Gruppe von 160 Gästen der ZEIT. 270 Gäste sind schon sehr viel für eine Person und meine Manager waren sich nicht sicher, ob ich das bewältigen würde. Dass es anstrengend werden würde, war mir bewusst, aber ich wusste auch, dass ich das definitiv schaffen kann. Es waren sehr lange drei Wochen alleine bis nach Dubai aber natürlich habe ich es geschafft. Direkt am zweiten Tag hatte ich einen Gast, der in Lissabon Notausgeschifft werden musste, weil die Ärzte sich nicht scher waren, ob der Gast es bis zum nächsten Tag in Cadiz schaffen würde. Also direkt viel Aktion am Anfang. Wir waren dann noch in Piräus und zwei Tage in Haifa, worüber ich mich sehr gefreut hatte, da ich seit Eilat nicht mehr in Israel war. Mein Hebräisch war zwar etwas eingerostet, aber einfache Konversationen konnte ich doch noch führen und als ich abends mit ein paar Kollegen in einer Bar war, habe ich die ganze Getränkekarte auf Hebräisch lesen und verstehen können, worüber ich doch sehr glücklich war.  Nach Haifa kamen dann acht lange Seetage bis Dubai inklusive der Durchfahrt des Suezkanals. Es war auf jeden Fall eine anstrengende erste Reise, ich habe viel Zeit im Medizinischen Zentrum mit Gästen verbracht, habe mich anschreien lassen müssen und viele hatten Beschwerden wegen ihrer Kabinen, um die ich mich kümmern musste. Dazu kam dann ja noch die Gruppe, die Vorträge und ähnliches haben. Deshalb war ich wirklich froh, dass ich in Dubai dann Hilfe bekommen sollte. Aber auch wenn es anstrengend war habe ich es, wie ich es vorher schon wusste, geschafft.

 

In Dubai hatten wir dann eine anstrengende Ausschiffung und ärgerlicherweise durfte ich nicht von Bord, denn jedes Crewmitglied brauchte ein Visum und die Behörden haben zu spät angefangen, diese auszustellen und hatten dann auf einmal einfach keine Lust mehr, weswegen ich und 160 andere Crewmitglieder einfach gar kein Visum bekommen haben. Das fand ich schon ziemlich blöd, zumal vor uns die Mein Schiff 4 lag, auf der Sarah im Moment ist. Sie hat mit mir zusammen studiert und es wäre echt nett gewesen, wenn wir uns kurz gesehen hätten.

 

Jetzt habe ich auf jeden Fall wieder eine zweite Kollegin als Verstärkung, was echt gut ist, denn im Moment haben wir zusammen 400 deutschsprachige Gäste. Nach Dubai ging es nach Doha, wo ich an Bord bleiben musste und danach mit einem Seetag dazwischen Muscat in den Oman. Da konnte ich dann ENDLICH mal wieder von Bord gehen und ich hatte einen tollen Tag in Muscat. Eine wirklich schöne Stadt. Danach gab es wieder zwei Seetage und morgen sind wir In Mormugao in Indien. Dort muss ich wieder an Bord bleiben, weswegen ich mir heute erstmal eine Massage für morgen gebucht habe. Man muss sich ja auch mal was gönnen. Auf dieser Reise haben wir anscheinend vor Allem viele kranke deutsche Gäste, jedenfall habe ich bis jetzt bis auf heute jeden Tag mindestens 2 Stunden im medizinischen Zentrum mit Gästen verbracht. In Doha war es sogar fast der ganze Tag und ein Gast musste ins Krankenhaus. Schon alleine deswegen ist es gut, dass wir jetzt zu zweit sind, denn ich schaffe kaum was von der eigentlichen Arbeit, die ich machen soll. Diese Reise mache ich auch wieder die Mittagdurchsage. Bis Dubai hatte das freundlicherweise der zweite Offizier gemacht, der auch Deutscher ist, was für mich eine echte Erleichterung war, weil ich ja sowieso schon genug zu tun hatte. Die Gäste haben mir aber auf jeden Fall schon gesagt, dass sie meine Mittagsdurchsage ganz toll finden und ein paar meinte zu mir, ich sollte mich direkt beim WDR als Nachrichtensprecherin bewerben, weil das so gut bei mir klingt. Das freut mich natürlich sehr.

 

Nach Indien morgen geht es dann noch weiter nach Sri Lanka, Thailand, Singapur und Vietnam bevor wir in Hongkong einen weiteren Reiseabschnitt beenden und wieder ein paar neue Gäste bekommen. Es geht danach für mich unter Anderem noch nach China, Japan und Südkorea und auf dem Rückweg nach Southampton auch noch nach Abu Dhabi, Jordanien, Zypern, Spanien und Portugal. Ich freue mich also weiterhin auf alles, was noch kommt.